Notfall

Familien-Notfallplan für Erdbeben und Katastrophen: Schritt für Schritt vorbereitet

Wenn alle in der Familie wissen, wo sie sich treffen, wen sie benachrichtigen und was zu tun ist, sinkt im Katastrophenfall die Panik, und Leben können gerettet werden. Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt durch einen Notfallplan, den du in wenigen Stunden erstellen kannst.

Viele Regionen der Welt liegen auf aktiven Erdbebenzonen, von Japan und Kalifornien bis Italien, Griechenland und die Türkei; auch in Deutschland gibt es spürbare Beben, etwa im Rheingraben. Dazu kommen Hochwasser, Stürme und Stromausfälle, die fast überall auftreten können. Katastrophen können wir nicht verhindern, aber wir können vorher planen, was unsere Familie währenddessen und danach tut. Forschung und Erfahrungen aus echten Katastrophen zeigen: Vorbereitete Familien entscheiden schneller und besser und erreichen einander leichter.

In diesem Ratgeber erklären wir Schritt für Schritt, wie du einen Familien-Notfallplan erstellst, mit Erdbeben als Hauptbeispiel. Den Plan könnt ihr gemeinsam an einem Wochenendnachmittag aufstellen.

Schritt 1: Risiken und Zuhause kennen

Die Sicherheit deiner Wohnung

  • Informiere dich über die Bauweise des Gebäudes und die Bodenverhältnisse. Lass es bei Bedarf von Fachleuten beurteilen.
  • Befestige schwere Möbel (Schränke, Regale, Fernseher, Kühlschrank) an der Wand.
  • Neben und über den Betten sollte nichts Schweres hängen, das herabfallen kann (Bilder, Regale, Spiegel).
  • Stell schwere Gegenstände in die unteren Fächer der Schränke.
  • Die Erwachsenen in der Familie sollten wissen, wo Gas-, Wasser- und Stromabsperrungen sind und wie man sie bedient.

Sichere Orte in der Wohnung

Legt in jedem Raum sichere Stellen fest, an denen ihr bei einem Erdbeben in Deckung gehen, euch schützen und festhalten könnt (englisch drop, cover, hold on): unter einem stabilen Tisch, an Innenwänden, abseits von Dingen, die umfallen können. Haltet Abstand zu Fenstern, Glasvitrinen und aufgehängten Gegenständen.

Schritt 2: Treffpunkte festlegen

Im Katastrophenfall sind Familienmitglieder sehr wahrscheinlich an verschiedenen Orten (Arbeit, Schule, Zuhause, unterwegs). Deshalb sind vorher vereinbarte Treffpunkte lebenswichtig:

  • Ein naher Treffpunkt außerhalb der Wohnung: Eine freie Fläche in der Nähe, abseits von allem, was einstürzen kann (ein Park, ein offener Platz).
  • Ein Treffpunkt außerhalb des Viertels: Ein etwas entfernterer Ort, falls das Viertel nicht erreichbar ist (Wohnung von Verwandten, ein bestimmter Schulhof).
  • Eine offizielle Sammelstelle: Erkundige dich bei deiner Kommune, wo die offiziellen Sammelstellen oder Notunterkünfte in deiner Gegend sind.

Alle in der Familie, auch die Kinder, sollten diese Punkte kennen, und ihr solltet sie mindestens einmal gemeinsam besuchen.

Schritt 3: Einen Kommunikationsplan erstellen

Nach großen Katastrophen können Telefonnetze wegen Überlastung zusammenbrechen oder kaum funktionieren. Deshalb braucht ihr einen Kommunikationsplan:

Eine Kontaktperson außerhalb der Region

Bestimmt einen Verwandten oder Freund in einer anderen Stadt oder Region als Familien-Kontaktperson. Nach einer Katastrophe melden alle in der Familie ihren Zustand an diese Person. Selbst wenn lokale Leitungen überlastet sind, klappt Fernkommunikation manchmal leichter.

Auswendig gelernte Nummern

Ist der Akku leer oder das Handy weg, kommst du nicht an deine Kontakte. Alle in der Familie, besonders die Kinder, sollten mindestens ein oder zwei Nummern auswendig kennen.

SMS und Kommunikation über Daten

Nach einer Katastrophe belasten SMS oder Messenger das Netz weniger als Sprachanrufe und kommen eher an. Hebt Anrufe für echte Notfälle auf.

Eine schriftliche Kontaktkarte

Jedes Familienmitglied sollte im Portemonnaie, in der Tasche oder im Schulranzen eine Karte haben mit:

  • Namen und Telefonnummern der Familienmitglieder
  • Der Nummer der Kontaktperson außerhalb der Region
  • Den Treffpunkten
  • Blutgruppe, chronischen Erkrankungen und Allergien

Schritt 4: Notgepäck packen

Jeder Haushalt sollte an einer gut erreichbaren Stelle (neben der Tür, im Auto) ein Notgepäck haben. Das Wichtigste:

Grundbedarf

  • Wasser (etwa 2–4 Liter pro Person und Tag, für mindestens einige Tage)
  • Haltbare Lebensmittel, die nicht gekocht werden müssen (Konserven, Nüsse, Kekse)
  • Taschenlampe und Ersatzbatterien
  • Radio mit Batterie oder Kurbel
  • Trillerpfeife (um verschüttet Hilfe zu rufen)
  • Powerbank und Ladekabel
  • Decke oder Rettungsdecke
  • Wetterfeste Ersatzkleidung und feste Schuhe
  • Regenjacke

Gesundheit und Hygiene

  • Erste-Hilfe-Set
  • Regelmäßig benötigte Medikamente (für mindestens einige Tage) und Rezeptkopien
  • Persönliche Hilfsmittel wie Brille oder Hörgerätebatterien
  • Feuchttücher, Handdesinfektion, Hygieneartikel
  • Staubschutzmasken

Dokumente und Geld

  • Kopien wichtiger Dokumente wie Ausweis, Grundbuchauszug, Versicherungspolicen (wasserdicht verpackt)
  • Etwas Bargeld (elektronisches Bezahlen funktioniert vielleicht nicht)
  • Ersatzschlüssel für Wohnung und Auto

Für Kinder, Ältere und Haustiere

  • Babynahrung und Windeln
  • Ein kleines Spielzeug oder Buch für Kinder (gegen Angst und Stress)
  • Zusätzliche Medikamente für Ältere, Rollator oder Gehstock
  • Tierfutter und Leine

Schritt 5: Jedem eine Aufgabe geben

Wenn in der Panik klar ist, wer was tut, spart das Zeit:

  • Wer holt die Kinder von der Schule? Informiere dich über den Notfallplan der Schule und halte die Liste der abholberechtigten Personen aktuell.
  • Wer hilft älteren oder behinderten Familienmitgliedern?
  • Wer nimmt das Notgepäck mit?
  • Wer dreht Gas und Strom ab?
  • Wer ist für die Haustiere zuständig?

Schritt 6: Die Kinder vorbereiten

Kinder sollten vorbereitet werden, ohne ihnen Angst zu machen:

  • Erkläre Erdbeben altersgerecht: „Manchmal wackelt die Erde, und wir wissen, was dann zu tun ist.“
  • Übt das In-Deckung-Gehen, Schützen und Festhalten spielerisch zusammen.
  • Besucht gemeinsam die Treffpunkte.
  • Hilf ihnen, die Adresse und mindestens eine Telefonnummer der Eltern auswendig zu lernen.
  • Bring ihnen bei, wann sie die 112 anrufen.
  • Ermutige sie, Notfallübungen in der Schule ernst zu nehmen.

Schritt 7: Ältere und Menschen mit besonderen Bedürfnissen

  • Haltet eine Medikamentenliste und Ersatzmedikamente für mindestens einige Tage bereit.
  • Besprecht vorher, wie Menschen mit Gehbehinderung evakuiert werden, und legt fest, welcher Nachbar oder welches Familienmitglied hilft.
  • Überlegt, wie Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung Warnungen erhalten.
  • Plant eine Ersatzstromquelle für alle, die stromabhängige Medizingeräte nutzen.

Mehr zur Sicherheit älterer Angehöriger findest du in unserem Artikel zur Sicherheit älterer Eltern.

Schritt 8: Üben

Ob ein Plan funktioniert, weiß man nur, wenn man ihn ausprobiert. Macht mindestens ein- bis zweimal im Jahr eine Familienübung:

  • Übt In-Deckung-Gehen, Schützen und Festhalten.
  • Nutzt die Fluchtwege aus der Wohnung.
  • Trefft euch am Treffpunkt außerhalb der Wohnung.
  • Schickt der Kontaktperson eine Nachricht.
  • Sprecht danach darüber, was funktioniert hat und was sich ändern muss.

Während und nach einem Erdbeben

Während des Bebens

  • Drinnen: In Deckung gehen, schützen, festhalten. Bleib an deinem Platz, bis das Beben aufhört. Keine Treppen und keine Aufzüge benutzen.
  • Draußen: Geh auf eine freie Fläche, weg von Gebäuden, Bäumen, Strommasten und Leitungen.
  • Im Auto: An einer sicheren Stelle anhalten, weg von Brücken, Überführungen und Gebäuden. Im Auto bleiben.

Nach dem Beben

  • Prüfe dich und die Menschen um dich herum auf Verletzungen.
  • Riechst du Gas, dreh den Haupthahn zu und benutze nichts, was Funken erzeugen kann (Lichtschalter, Feuerzeug).
  • Betritt keine beschädigten Gebäude; sei auf Nachbeben gefasst.
  • Nimm Kontakt zur Familie auf, wie vereinbart: zuerst eine Nachricht, dann die Kontaktperson.
  • Folge offiziellen Quellen (Katastrophenschutz, Kommune, Warn-Apps) und teile keine unbestätigten Meldungen.
  • Brauchst du Hilfe, wähle den Notruf 112.

Wie Technik bei der Vorbereitung hilft

  • Standortteilen: Zu sehen, wo die Familie nach einer Katastrophe ist, kann helfen, einander zu erreichen. Denk aber daran, dass sich der Standort wegen Netzproblemen vielleicht nicht aktualisiert, und achte auf die Zeit der letzten Aktualisierung.
  • Notfallfunktionen des Handys: Richte Notfallkontakte, medizinische Angaben und SOS-Funktionen vorab ein.
  • Warnungen: Achte darauf, dass Notfallwarnungen in den Handyeinstellungen aktiviert sind.

Der Notfallknopf in Koriva benachrichtigt alle in der Familie, sobald er gedrückt wird; ohne Verbindung wartet der Alarm auf dem Handy und wird gesendet, sobald die Verbindung zurück ist. Für ältere Angehörige ist das „Mir geht’s gut“ per Fingertipp außerdem ein einfacher Weg, der Familie nach einer Katastrophe schnell Bescheid zu geben. Koriva ruft aber keine Rettungsdienste; im echten Notfall wähle zuerst die 112. Die Grundsätze des Standortteilens findest du in unserem Ratgeber zum Standortteilen in der Familie.

Fazit

Katastrophenvorsorge ist keine einmalige Aufgabe, sondern eine Gewohnheit, die ihr als Familie regelmäßig überprüft. Treffpunkte, eine Kontaktperson, gepacktes Notgepäck und eine mehrfach geübte Übung machen im Ernstfall einen großen Unterschied. Fangt an diesem Wochenende gemeinsam mit dem Plan an.

Allgemeine Sicherheitsmaßnahmen für die Familie findest du in unserem Ratgeber Familiensicherheit.

Häufige Fragen

Was gehört in einen Familien-Notfallplan?

Ein Treffpunkt außerhalb der Wohnung und einer außerhalb des Viertels, eine Kontaktperson in einer anderen Region, Telefonnummern, die alle auswendig kennen, Aufgaben für jedes Familienmitglied, gepacktes Notgepäck und besondere Vorbereitungen für Kinder, Ältere und Haustiere.

Was gehört ins Notgepäck?

Grundlegend sind Wasser und haltbare Lebensmittel für einige Tage, Taschenlampe und Ersatzbatterien, ein Batterieradio, eine Trillerpfeife, eine Powerbank, ein Erste-Hilfe-Set, regelmäßig benötigte Medikamente, Kopien wichtiger Dokumente, etwas Bargeld, Ersatzkleidung und Hygieneartikel.

Wie finde ich die Sammelstelle in meiner Nähe?

Deine Kommune und der Katastrophenschutz veröffentlichen offizielle Sammelstellen und Notunterkünfte, oft online oder über Warn-Apps wie NINA. Die Sammelstelle vorher gemeinsam zu besuchen, macht es leichter, sie im Ernstfall zu finden.

Wie erreiche ich meine Familie nach einem Erdbeben?

Die Netze können überlastet sein, nutze daher lieber SMS oder Messenger statt Anrufen. Melde dich bei der vereinbarten Kontaktperson und geh zu den Treffpunkten. Hebe Sprachanrufe für echte Notfälle auf.

Wie erkläre ich Kindern die Vorbereitung auf ein Erdbeben?

Erkläre es altersgerecht und ohne Angst zu machen, und übt In-Deckung-Gehen, Schützen und Festhalten spielerisch. Besucht die Treffpunkte, hilf ihnen, Adresse und mindestens eine Elternnummer auswendig zu lernen, und bring ihnen bei, wann sie die 112 anrufen.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische, rechtliche oder sonstige fachliche Beratung. Im Notfall sofort die 112 anrufen.